Direkt gegenüber dem Bahnhof in Klaus geht Merkwürdiges vor sich. Die 115 Meter lange Fassade des dort ansässigen Hightech-Unternehmens lässt kaum vermuten, was hier produziert wird.

Vor 40 Jahren in einer Garage mitten in Klaus gegründet, wird das 130 Köpfe zählende Unternehmen heute in zweiter Generation von Sandra Ender-Lercher und Dominik Lercher geführt. Die Kunden sind Zulieferer für die Möbelbranche und die Automobilindustrie, Maschinenbauer sowie hochspezialisierte Anbieter der Medizintechnik. Lercher fertigt für sie Präzisionsteile aus Kunststoff in Millionenauflagen.

Der Blick über den Tellerrand ist wichtig. Das macht unsere Youngsters fit für die Zukunft.

Oliver Laukas, Leitung Lehrlingsausbildung bei Lercher

Warum es für Kunststoff­produkte Stahl braucht

Jedes Jahr verlassen mehr als eine Milliarde Teile das Werk. Betritt man allerdings die Fertigung im Erdgeschoß, fallen da zunächst die großen CNC-Fräs­center, Erodier- und Schleifmaschinen ins Auge. Auf’s µ (sprich: mü) genau wird auf diesen Maschinen Stahl bearbeitet. Wir sehen, wie sich Fräser durch tonnenschwere Stahlblöcke „fressen“ als wär’s Butter. Elektroden, deren Funken heißer sind als die Oberfläche der Sonne, erodieren Vertiefungen in das harte Metall. Dann ist die stählerne „Negativform“ des künftigen Kunststoffteils fertig. Diese kommt eine Etage höher zum Einsatz: Die Türe öffnet sich und wir sehen mehr als 40 tonnenschwere Kunststoff-Spritzgussautomaten, die sich in einer schier endlosen Kette aneinanderreihen. Flüssiger Kunststoff wird hier in die Formen eingespritzt (deshalb: Spritzguss). Kurz danach öffnen sie sich wieder: Fertig ist das Kunststoffteil!

Plötzlich wimmelt es vor lauter Ameisen

So werden also Kunststoffprodukte hergestellt. Aber was ist das? Aus einer Maschinen fallen kleine, blaue Kunststoffameisen. „Ein Kunde lobte uns, weil wir ein paar Sonderschichten für die Termineinhaltung seines wichtigen Auftrags eingelegt hatten“, erzählt Lenard (Auszubildender zum Kunststofftechniker im 3. Lehrjahr), „er meinte, wir seien extrem fleißig.“ Und was hat das mit den blauen Krabbeltieren zu tun? Lenard verdreht die Augen: „Aber das ist doch klar. Wir sind fleißig wie Ameisen.“ Also wurde als aktuelles Lehrlingsprojekt das kleine Insekt realisiert – von der Konstruktion über die Fertigung des Werkzeugs bis zur Produktion im Kunststoffspritzguss. Stolz werden die blauen Ameisen nun als kleines Geschenk an Besucher verteilt. „Unsere Lehrlinge lernen alle Abteilungen des Unternehmens kennen – egal ob sie eine Lehre im Kunststoffbereich oder im Werkzeugbau machen“, erklärt Dominik Lercher die Qualität der Ausbildung. „Sie sind relativ schnell im Fertigungsprozess integriert und müssen nicht monatelang an Übungsstücken schleifen“, ergänzt Ausbildungsleiter Oliver Laukas. Für dieses Konzept erhielt Lercher den Hans-Huber-Preis und wird seit vielen Jahren vom Land Vorarlberg als Lehrbetrieb ausgezeichnet.